Stolperstein erinnert in Schönwalde-Dorf an Gertrud Schwanebeck


Gertrud wurde 1926 geboren und starb 1938 im Alter von zwölf Jahren in der Landesanstalt Görden bei Brandenburg an der Havel.

Es war die zweite Stolpersteinverlegung in der Gemeinde Schönwalde-Glien. Organisiert wurde sie von der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine aus Falkensee gemeinsam mit der Gemeinde Schönwalde-Glien. Bürgermeister Bodo Oehme, Pfarrer Burmeister und Vertreter der Vorbereitungsgruppe erinnerten an das kurze Leben des Mädchens und an die Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen mit Behinderungen während der Zeit des Nationalsozialismus.

Gertrud Schwanebeck wurde am 6. Juli 1926 geboren und wuchs mit ihrer Familie in der Dorfstraße 21 auf. Anfang der 1930er-Jahre wurde sie in Schönwalde eingeschult. Nachdem bei ihr eine verzögerte geistige Entwicklung festgestellt worden war, kam sie im November 1934 im Alter von acht Jahren in die Brandenburgische Landesanstalt Wilhelmsstift in Potsdam.

Nach einer vorübergehenden Rückkehr in ihr Elternhaus wurde Gertrud Schwanebeck Ende 1935 in die Landesanstalt Lübben eingewiesen. Im Juni 1938 folgte die Verlegung in die Landesanstalt Görden. Dort verschlechterte sich nach den überlieferten Akten ihr Gesundheitszustand. Als Todesursache wurde eine Lungenentzündung angegeben. Gertrud Schwanebeck starb am 26. Dezember 1938 und wurde vier Tage später in Görden beerdigt.

Bürgermeister Bodo Oehme erinnerte bei der Verlegung daran, dass hinter den Millionen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft individuelle Lebensgeschichten stehen. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, ein Name, eine Familie und ein Leben. Mit dem Stolperstein geben wir Gertrud Schwanebeck und ihrem Schicksal einen sichtbaren Platz in unserer Gemeinde zurück. Wir vergessen nicht – und wir tragen die Verantwortung, die Erinnerung weiterzugeben. Und wir müssen wachsam bleiben, damit totalitäre Fanatiker nie wieder die Möglichkeit erhalten, Menschen auszugrenzen, zu entrechten und zu verfolgen“, sagte Oehme.

In seiner Ansprache erinnerte der Bürgermeister auch an die verschiedenen Opfergruppen des Nationalsozialismus. Millionen Menschen seien aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, einer Behinderung, ihrer politischen Überzeugung oder anderer Merkmale verfolgt, entrechtet und ermordet worden. Gedenken bedeute deshalb auch, den Opfern ihre Namen und ihre persönlichen Geschichten zurückzugeben.

Der Stolperstein in der Dorfstraße markiert nun den Ort, an dem Gertrud Schwanebeck mit ihrer Familie lebte, bevor sie als Kind in verschiedenen Anstalten untergebracht wurde. Ihre Lebensgeschichte wird damit dauerhaft im öffentlichen Raum von Schönwalde-Dorf sichtbar.

Nach der Verlegung kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Kreativ e. V. in der Dorfstraße zusammen. Bei Kaffee und Kuchen gab es Gelegenheit zum Austausch und zum gemeinsamen Erinnern.

Mit der Verlegung setzt Schönwalde-Glien gemeinsam mit der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine aus Falkensee die lokale Erinnerungsarbeit fort.